18.03.2026
Interview: „THG Prämien werden 2026 wieder attraktiver, aber der Quotenmarkt bleibt volatil“
Ab 2026 steigt die Treibhausgasminderungsquote im Verkehrssektor auf 12 Prozent. Gleichzeitig verändern neue regulatorische Rahmenbedingungen den Markt für THG-Zertifikate. Was bedeutet das für Halter von Elektroautos und Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur? Wir haben mit dem THG-Quotenexperten Dennis Nonnenkamp gesprochen, der als Head of Consulting beim Beratungsunternehmen für Elektromobilität M3E tätig ist.
emobilität.online: Mit dem Steigen der THG-Prämie 2026 ist die Treibhausgasminderungsquote medial wieder präsenter. Warum ist dieses Instrument überhaupt so wichtig für die Elektromobilität?
Dennis Nonnenkamp: Die THG-Quote ist eines der zentralen klimapolitischen Instrumente im Verkehrssektor. Sie verpflichtet Mineralölunternehmen dazu, die Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe schrittweise zu reduzieren. Wenn sie diese Reduktion nicht ausreichend selbst erreichen, etwa durch Biokraftstoffe oder andere Maßnahmen, können sie Emissionsminderungen von anderen Marktteilnehmern erwerben.
Hier spielt nun die Elektromobilität eine Rolle. Sowohl batterieelektrische Fahrzeuge als auch öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur erzeugen rechnerische CO₂-Einsparungen im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen. Diese Einsparungen können zertifiziert und als sogenannte THG-Quoten an quotenverpflichtete Unternehmen verkauft werden.
Damit entsteht ein marktbasiertes System, das wirtschaftliche Anreize für emissionsärmere Technologien schafft. Die THG-Quote wird daher oft als Ergänzung zur CO₂-Bepreisung gesehen, die fossile Kraftstoffe verteuert.
Ein wichtiges Signal für den Markt ist außerdem, dass der Mechanismus aktuellen Entwürfen zufolge bis mindestens 2040 verlängert werden soll. Ursprünglich war die Regelung nur bis 2030 vorgesehen. Diese längere Perspektive schafft mehr Planungssicherheit für Investitionen in alternative Antriebe und Ladeinfrastruktur und spielt auch eine Rolle bei der aktuell positiven Marktdynamik.
2026 können E-Auto-Halter sowie Betreiber öffentlicher Ladestationen deutlich höhere THG-Prämien erzielen. Liegt das allein an der höheren Quote von 12 Prozent?
Nein, das wäre zu kurz gegriffen. Die Anhebung der THG-Quote auf 12 Prozent ist zwar ein wichtiger Faktor, weil sie den Druck auf quotenverpflichtete Unternehmen erhöht, zusätzliche Emissionsminderungen nachzuweisen. Aber sie ist nur ein Teil der aktuellen Marktentwicklung.
Relevanter sind mehrere regulatorische Anpassungen. Dazu gehören unter anderem, dass die Vorgaben der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III implementiert werden, Übererfüllungen aus Vorjahren bis Ende 2026 nicht mehr angerechnet werden können und dass die Kontrolle von Zertifikaten verschärft wird. Dadurch reduziert sich kurzfristig das Angebot an verfügbaren Zertifikaten aus Altbeständen, was die Nachfrage nach oben treibt.
Diese Kombination aus höherer Quote, regulatorischen Anpassungen und begrenztem Zertifikatsangebot sorgt derzeit für ein deutlich höheres Preisniveau im THG-Markt. Trotzdem bleibt es ein handelsbasierter Markt ohne garantierte Mindestpreise. Angebot, Nachfrage und regulatorische Details können sich relativ schnell ändern.
Was bedeutet das konkret für Halter von Elektroautos?
Für Halter rein batterieelektrischer Fahrzeuge, Plug-in-Hybride sind nicht teilnahmeberechtigt, gibt es seit 2022 die Möglichkeit, ihre Emissionsminderungen als THG-Quote über spezialisierte Dienstleister zu vermarkten. Dafür wird das E-Fahrzeug bei einem THG-Quotenanbieter registriert. Der Anbieter bündelt die Einsparungen vieler E-Fahrzeuge, lässt sie zertifizieren und verkauft sie anschließend an quotenverpflichtete Unternehmen.
Die Grundlage der THG-Quote ist eine pauschale jährliche Menge an Ladestrom, die in CO₂-Einsparungen pro Elektroauto umgerechnet wird. Diese Einsparung kann einmal pro Jahr als THG-Quote vermarktet werden. Die Höhe der THG-Prämie hängt stark vom jeweiligen Marktpreis für THG-Zertifikate ab. In den vergangenen Jahren hat man gesehen, wie stark dieser Markt schwanken kann. 2024 lagen die meisten Prämien für Elektroautos etwa zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr. 2025 ist die THG-Prämie leicht gestiegen, während wir jetzt einen starken Anstieg verzeichnen. Für 2026 werden derzeit von vielen Vermarktern deutlich höhere THG-Prämien angeboten, meist im Bereich von etwa 150 bis 300 Euro pro E-Fahrzeug. Wie hoch die tatsächliche Auszahlung am Ende ausfällt, hängt aber weiterhin stark vom konkreten Vermarktungsmodell und vom Zeitpunkt im Markt ab.
Auch Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur können THG-Prämien erzielen. Wie funktioniert das?
Der Mechanismus ist ähnlich, aber die Berechnung funktioniert anders als bei einzelnen Elektroautos bzw- E-Fahrzeugen. Während bei Elektrofahrzeugen eine pauschale Menge Ladestrom pro Jahr angesetzt wird, basiert die THG-Quote bei Ladeinfrastruktur auf der tatsächlich verladenen Strommenge.
Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte erfassen die über ihre Ladepunkte abgegebene Energiemenge in Kilowattstunden und melden diese direkt oder über einen Vermarkter beim Umweltbundesamt an. Voraussetzung ist, dass der Ladepunkt öffentlich zugänglich ist, die Strommenge korrekt gemessen wird und die regulatorischen Vorgaben des Umweltbundesamts eingehalten werden. Private Ladepunkte sind von THG-Erlösen ausgeschlossen. Die daraus berechnete Emissionsminderung wird anschließend in handelbare Zertifikate umgewandelt.
In den vergangenen Jahren lag der Erlös meist nur bei wenigen Cent pro Kilowattstunde. 2024 bewegten sich die Werte typischerweise zwischen etwa zwei und sechs Cent pro kWh, 2025 meist zwischen drei und sechs Cent. Aktuell werden für 2026 deutlich höhere Werte erwartet. Je nach Vermarktungsmodell liegen sie in der Regel im Bereich von etwa acht bis 15 Cent pro kWh.
Welche Einnahmen können Betreiber daraus realistisch erwarten?
Das hängt stark von der Auslastung der Ladepunkte ab. Wenn ein öffentlicher Ladepunkt im Jahr beispielsweise zwischen zwei und zwölf Megawattstunden Strom abgibt, was bei vielen Standorten realistisch ist, ergeben sich unterschiedliche Erlösspannen.
In den Jahren 2024 und 2025 lagen die jährlichen THG-Prämien pro Ladepunkt meist zwischen etwa 40 und 300 Euro. Durch das aktuell höhere Preisniveau können sich 2026 deutlich größere Spannen ergeben.
Je nach Lademenge und Marktpreis sind aktuell Größenordnungen zwischen rund 240 und etwa 2.700 Euro pro Ladepunkt und Jahr möglich.
Für Betreiber kann das eine interessante zusätzliche Einnahmequelle sein, die zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Ladeinfrastruktur beiträgt. Gleichzeitig sollte man diese THG-Prämien für Ladestationen nicht als stabile Haupteinnahmequelle einplanen. Der THG-Quotenmarkt ist historisch gesehen sehr volatil. Preise können sich relativ schnell verändern, etwa durch regulatorische Anpassungen oder durch Veränderungen bei Angebot und Nachfrage.
Gerade Betreiber von Ladeinfrastruktur oder größere Flotten sollten THG-Erlöse deshalb eher konservativ in ihre Finanzplanung einbeziehen. Als strategisches Zusatzgeschäft kann die Quote durchaus interessant sein, vor allem bei steigenden gesetzlichen Quoten. Aber sie ersetzt keine planbaren Erlöse aus dem eigentlichen Betrieb von Fahrzeugen oder Ladepunkten.
Vielen Dank für das Interview!
Zum Autor:
Dennis Nonnenkamp ist Fördermittelexperte und Head of Consulting beim Beratungsunternehmen für Elektromobilität M3E.
Mehr Informationen finden Sie unter www.m3e.group sowie www.thgquoten.com

